Hic sunt dracones (hier sind Drachen)

Wie Friedrichsfeld für einen Tag von der Landkarte verschwand

Als die Welt noch ein großer und exotischer Ort war und in vielen Teilen unbekannt und unerforscht, haben die alten Gelehrten und Kartographen auf Ihren Weltkarten und Globen die Weltgegenden, von denen sie nicht wirklich viel wussten, mit Abbildungen von Monstern, Seeschlangen und Drachen versehen. Daneben schrieben Sie dann diesen Spruch: „Hier sind Drachen!“

Am Pfingstwochenende tummelten sich auf dem Kanal bei Friedrichsfeld die Drachen und haben dort nach alter Manier die Welt auf den Kopf gestellt und für einen kurzen Zeitraum alles verändert.

Es waren zwar nicht die alten magischen Zauberdrachen von denen die Rede ist, sondern moderne Wettkampfboote aus High-Tech Materialien, die von Enthusiasten aus Nah und Fern genutzt wurden, um sich im sportlichen Wettkampf zu messen, aber das tat der Magie keinen Abbruch.

Zum 18ten Mal in Folge hat der Kanu Club Friedrichsfeld (KCF) eine Drachenbootregatta auf die Beine gestellt und der Andrang war wie auch in den letzten Jahren sehr groß. Insgesamt haben 29 Mannschaften an dem Ereignis teilgenommen, denen sechs Drachen zur Verfügung standen. Drei davon aus dem Bestand des KC Friedrichsfeld, drei weitere von anderen Vereinen für die Regatta zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zu den letzten Regatten wurden in diesem Jahr die Drachen mit 14 statt 18 Personen besetzt. Dies erlaubte auch kleineren Teams ein Boot selber zu besetzen, ohne auf Unterstützung aus dem zur Verfügung stehenden Paddelpool aus Freelancer zurückgreifen zu müssen.

Die Regattadistanz betrug 250 m, was nach wenig klingt aber alles im vollen Sprint zurückgelegt wird und von den Mannschaften vollen Einsatz über die gesamte Strecke fordert, wobei nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Taktgefühl und Technik gefordert sind. Auch der vermeintlich überflüssige Trommler trägt durch die Taktvermittlung und gutes Zureden zu dem Erfolg entscheidend mit bei. Darüber hinaus kann bei schlechten Ergebnissen der Trommler hervorragend als Sündenbock genutzt werden. Der Steuermann/frau steht hinten, sorgt für die beste Verteilung der Mannschaft im Boot, den sauberen Start und trägt ebenfalls ganz allgemein durch aufmunternde Ansagen mit milder Stimme im leisen aber gut hörbaren Ton entscheidend bei, dass alle Kräfte gebündelt und optimal eingesetzt sind. Vorne im Boot sitzen die Schlagmänner (oder Frauen, oder welcher Gender auch immer gerade vertreten ist) und geben den Takt vor für die anderen, die immer schön synchron mit bester Effizienz und Konzentration bis zum Erlahmen der Kräfte alles geben, was der Körper hergibt. Alle sind gleich wichtig und tragen zum Erfolg bei. Also Teamsport par excellence!

Es wurde zuerst in den Vorläufen die Kategorie festgelegt, in der später die Mannschaften gegeneinander antreten oder vielmehr anpaddeln sollten. Dabei hat sich das dieses Jahr erstmalig von der Clubfraktion der Wanderpaddler des KC Friedrichsfeld kurzfristig aufgestellte Team der „Wanderdrachen“ trotz nur geringer Vorbereitung sogar im Bereich Fun Sport mit der viertbesten Zeit platzieren können. Damit musste man zwar in den weiteren Läufen gegen starke Gegner antreten, hat sich aber trotzdem wacker geschlagen.

Insgesamt hat es bei der Regatta ohnehin nur Sieger gegeben, da alle Teilnehmer einen Pokal erhielten und für Sonderleistungen noch weitere Pokale ausgelobt waren. Darüber hinaus wurden von dem Sponsor der Spedition Schneider GmbH in Friedrichfeld von Herrn Georg Schneider zusätzlich ein Jugend Wanderpokal gestellt und diesen am Ende der Regatta bei der Ehrung der Teilnehmer überreicht. Zusätzlich erhielt die jüngste Mannschaft einen Gutschein für ein Mannschaftsessen in einem Chinesischen Restaurant. Dieser Preis ging an die Mannschaft der „Friedrichsfelder Dragons“ mit einem Durchschnittsalter von 8,143 Jahren. Gemäß eigenen Angaben ist das jüngste Mannschaftsmitglied immerhin schon 4 Jahre alt! Auf dem anderen Ende des Spektrums standen die noch rüstigen Damen und Herren der „Feldmarker Eckgaleere“ mit einem Durchschnittsalter von 55,85 Jahren. Das aktuelle Höchstalter des ältesten Teinehmers (oder Teilnehmerin) ist nicht übermittelt. Man kann aber davon ausgehen, dass Paddeln damit für Jung und Alt gleichermaßen geeignet ist.

Ein weiterer Sonderpreis ging an die stärkste reine Damenmannschaft „Sweet Poison“, die einen Gutschein für ein Mann- beziehungsweise Frauschaftsfrühstück im Cafe Simon in Friedrichsfeld ebenfalls als Spende der Spedition Schneider GmbH erhielten.

Wie jedes Jahr hatte Schirmherr und Bürgermeister der Stadt Voerde, Herr Dirk Haarmann, den so genannten „Bürgermeisterpokal“ gestiftet. Die Preisverleihung wurde durch den 1. Stellvertretenden Bürgermeister Herrn Bert Mölleken vorgenommen. Neben den zahlreichen Pokalen in den Cups der Wohnbau Dinslaken und der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe, hatte MdB Dr. Hans-Ulrich Krüger zwei Ehrenpokale für die beiden Boote der Klassen „Women“ und „ Open“ gestiftet, die an die Teams „Sweet Poison“ und „Grizzly Bears“ gingen.

Am Ende gab es Ehrungen für alle. Die Bestplatzierung im Bereich Fun Sport gab es für das Team „Eala Fry Fresena“, übersetzt bedeutet das so viel wie „Auf, ihr freien Friesen“. Im Bereich Fun standen die Mannschaften „Außenborder“, „Kieser Dragons“ und „VIP“ (Very Important Paddlers) ganz vorn. Bei der Jugend waren es die „VIP Boys“ und „Kanuspaß“.

Zum Glück fand das Ereignis bei meistens gutem Wetter mit gelegentlicher Bewölkung und erträglichem Wind von achtern statt, unterbrochen von einem Regenschauer am Nachmittag. Glücklicherweise gehört es bei Wassersportlern zur Voraus-setzung, wasserdicht zu sein. Daher erlitt der Regattabetrieb nur eine kurze Unterbrechung. Die Zuschauer am Ufer, die diese Voraussetzung nicht alle vollständig erfüllten, konnten sich in der Zeit des Regens in den Bier- und Grillständen sowie anderen Pavillons vor der schrecklichen Nässe schützen, was nebenbei den Damen am Kuchenstand einen Rekordumsatz in kürzester Zeit bescherte. Aber auch der Infostand, an dem ein Ergometer-Wettbewerb abgehalten wurde, konnte in der Zeit verstärkten Zulauf verzeichnen. Es ist halt eine altbekannte Tatsache, dass Menschen zwar gerne am Wasser sind aber ungern im Regen stehen.

Insgesamt haben alle Teilnehmer, aktiv wie passiv, einen schönen Tag am und auf und auch teilweise im Wasser verbracht. Viele der Jugendlichen und Kinder nutzten die Regattapausen für ein Bad im Kanal, was bei der Wassertemperatur ohne Erfrierungen durchaus möglich war. Die Regatta verlief ohne Unfälle, ohne Verletzungen und ohne Havarien, abgesehen von einem Drachenkopf, der aus nicht geklärten Umständen zu Schaden kam. Für die Sicherheit des Ereignisses auf dem Wasser sorgten zwei Fahrzeuge der DLRG. Am Ufer standen für alle Fälle ein Rettungswagen und das Rote Kreuz bereit, wurden aber nicht gebraucht.

Der Aufwand ein Drachenboot aus dem Stillstand in Fahrt zu versetzen und über eine größere Distanz mit Höchstfahrt zu bewegen, stellt für ein Team von 14 Personen schon eine erhebliche Anstrengung dar. Noch viel größerer Aufwand ist  allerdings die Organisation eines solchen Events. Dies bedeutet für die Mitglieder und den Vorstand des KC Friedrichsfeld immer eine außerordentliche Herausforderung. Schon lange vor dem Event muss geplant und vieles in Gang gesetzt werden. Am Tag des Ereignisses waren insgesamt etwa 60 freiwillige Helfer eingebunden, die bereits am Vortag mit der Vorbereitung begonnen hatten, die am Regattatag die Stände besetzten und am Abend den Abbau des Ganzen wieder durchführten. Trotzdem gelang es dieses Jahr sogar, eine eigene Mannschaft in das Feld zu werfen und respektabel abzuschneiden. Am Ende waren alle erschöpft aber zufrieden, dass man den Gästen ein tolles Ereignis hat bieten können und hofft, dass das auch in den nächsten Jahren wieder der Fall sein wird.

Vielleicht lockt das Ereignis ja auch mal einen echten Drachen an der sich bei seinen Vettern aus GFK und Holz heimisch fühlt und Friedrichsfeld bleibt dann für immer, oder zu mindestens solange sich Drachen auf dem Kanal tummeln, ein magischer Ort mit einem besonderen Vermerk auf der Landkarte:

„here are Dragons!“

(Carsten Beese, KCF Pressewart)