UrlaubPlus … Training!

FRIEDRICHSFELDER KANU RENNMANNSCHAFT AM FUßE DER DOLOMITEN IM VALSUGANA.

Die Deutsche Kanu-Rennsport Meisterschaft 2018 in Hamburg Ende August steht bevor. Deshalb ist konstantes Training für die Sportler des KCF unverzichtbar. Aber wie vereinbart man das mit dem langersehnten Urlaub in den Sommerferien? Trainingsfrei ist keine Option. Dann vielleicht lieber so: Unterkunft buchen, Rennkajaks auf den Hänger geladen und ab, 1000 km gen Süden.
Gesagt, getan.
In den ersten zwei Ferienwochen machte sich also eine beachtliche Anzahl von Sportlern
des KCF mit ihrer Entourage auf ins schöne Trentino, an den Caldonazzo See. Rund 15 Kinder mit ihren Familien, mit Wohnwägen, Zelten, Fahrrädern und natürlich ihren Sportgeräten fuhren also über den Brenner ins anberaumte „Trainingslager“. Und was für ein Lager das war. Der wunderschöne, blauschimmernde Caldonazzo See, blendender Sonnenschein, die steilaufragenden grünen Berghänge, Eis und Pizza, das wunderbare Panorama des Valsugana mit den hohen Granit Spitzen der Dolomiten in Sichtweite.


Für die Kanuten begann der Tag etwa gegen 8 Uhr morgens mit Frühstück, um 9 Uhr ging
es dann mehr oder weniger ausgeschlafen aufs Wasser zur ersten Trainingseinheit. Nach kurzer Regeneration folgte die zweite Einheit dann meist auch noch vor der Mittagshitze. Danach hatten die Sportler Freizeit und vielfältige Möglichkeiten diese zu gestalten.
Dabei wurde das WLAN des Campingplatzes anfangs ausgiebig genutzt. Aber auch das
Badminton- und Volleyballnetz, sowie die Fahrräder und die Wanderschuhe. Umso mehr als Mitte des Urlaubs ein Blitzeinschlag das Internet lahmlegte – glückliche Fügung? Großer Beliebtheit erfreute sich auch die Batterie an Schwimmtieren, Einhorn, Flamingo, Melone & Co., auf denen es sich nach Auftrag der Sonnencreme vortrefflich im kühlen Nass rumgammeln ließ. Unumgänglich waren natürlich auch die regelmässigen Eismahlzeiten, die für die Innere Kühlung sorgten. Die Erwachsenen kühlten an den warmen Abenden ihr Inneres meist noch mit anderen Genussmitteln.
Der aus Friedrichsfeld importierte „Fengels Rhabarber“ war selbstredend nur den Erwachsenen vorbehalten. Nicht selten traf sich die ganze Reisegruppe an einer langen Tafel zusammengestellter Campingmöbel, um die Abende bei Spiel, Quatsch, Kerzenschein und dem Austausch der Erlebnisberichte des Tages zu verbringen. Denn die Gruppe trennte sich gelegentlich zu den verschiedensten Aktivitäten. Es wurden Wanderungen gemacht, die bis auf über 2000m Höhe reichten, Stadterkundungen u.a. von Bella Venezia und Verona einschließlich eines Besuchs der Verdi Oper Aida in der Arena, ein Nachmittag im Kletterpark incl. Abkühlung unter einem Wasserfall, spektakuläre Motorradexkursionen auf den gewundenen Serpentinen des Valsugana, kulinarische Exkursionen zur lokalen Gastronomie, anspruchsvolle Radtouren mit deutlich mehr
Höhenmetern als der gemeine Niederrheiner gewohnt ist und Debatten wo denn nun das
köstlichere Eis zu beziehen sei. Das Ausruhen oder neudeutsch „chillen“ kam ebenfalls nicht zu kurz, jeder nach seiner Fasson.
Trotz dieses Kaleidoskops an Möglichkeiten blieb noch genug Zeit für den eigentlichen
Grund der gemeinsamen Reise: Paddeln. Die Sportler wurden professionell gecoacht von
Exweltmeister, und mehrfachem Kanu Olympioniken Lutz Liwowski, seinerseits Teil der
Reisegruppe. Sie arbeiteten täglich an Ihrer Kondition und Technik.
Hierbei wurde mehrfach der See durchmessen, Starts geübt, Haltung verbessert,
„trockene“ Fitness- und Kraftübungen auf dem Spielplatz des Camping Riviera gemacht. Wenn zum Beispiel ein Ausflug früh anberaumt war, ging eine Gruppe auch schon mal mit Lutz um 6 Uhr morgens aufs Wasser um das Trainingspensum einzuhalten. Um die verschiedenen Leistungsgruppen angemessener trainieren zu können hatte Lutz Unterstützung von Jonas, einem 19-jährigen KCFler, der zu Hause regelmäßig das Training der jüngeren Kanuten begleitet.
Am Lago di Caldonazzo beheimatet ist ein italienischer Kanuclub, der Circolo Nautico
Caldonazzo. Es gab leider nur einen recht sparsamen Kontakt mit den italienischen Sportlern, da sie in einer gänzlich anderen Altersklasse trainieren. So begegneten sie sich nur zweimal während unseres Aufenthalts.
Von der Trainingsdisziplin der Kinder angesteckt, bzw. von Ihren Kindern dazu herausgefordert, fand sich eine Gruppe von erwachsenen Nicht-, bzw. Wanderkanuten, die auch einmal die anmutigen, schlanken, schnellen Rennboote ausprobieren wollte. Das war ein Spaß – für die Kinder. Keiner der Erwachsenen hat es ganz ohne Hilfe auch nur geschafft einzusteigen, geschweige denn mehr als zwei Paddelschläge zu tun. Nur mit massiver Hilfe der Kinder gelang es einigen einige wenige Meter ohne Umkippen zurückzulegen. Um so mehr zollten die triefnassen Probanden nun den Sportlern ihren Respekt für deren Fertigkeit in den Rennkajaks im Startschuh zu „stehen“, Wenden zu fahren, bei Wind und Wellen nicht zu kentern und ihre Kraft über das Paddel in eine möglichst effektive Vorwärtsbewegung zu wandeln und folglich bei den
Wettkämpfen Bronze, Silber und Gold vom Treppchen zu holen.

Die typische Atmosphäre von Teamgeist und gegenseitigem Respekt, die ja schon von den Regatten und dem Clubgetriebe zu Hause bekannt ist, fand sich auch während des ganzen Aufenthalts in Italien. Sowohl bei den Kindern als auch den Erwachsenen. Das ist nicht selbstverständlich bei einer so großen Gruppe mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Vorlieben.
Nich allein deshalb muss das Fazit dieses „UrlaubsPlus“ lauten: bravissimo, cari amici!
Vielen Dank an alle, die dieses Trainingslager möglich gemacht haben. Ohne die fleißige
Vorplanung, Logistik bezüglich Unterkunft und Sportgerät, die Unterstützung des Clubs, den Trainern, hätte es nicht so schön werden können.

È stato un bel viaggio.
Signore et signori, al nostro prossimo incontro!

Mario Sütel